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22.11.2011 Oranienburger Genralanzeiger

Nur Radweg nach Wandlitz fehlt noch

Wensickendorf – ein ländlicher Ortsteil mit intakter Dorfgemeinschaft und guter Anbindung nach Berlin

Von Friedhelm Brennecke

Wensickendorf – In Wensickendorf ist die Welt noch in Ordnung, die Dorfgemeinschaft intakt. „Mit der Infrastruktur können wir als ländlich beschaulicher Ort am Rande des Speckgürtels im Großen und Ganzen auch zufrieden sein“ sagt Ortsvorsteher Eberhard Schmidt (LGU).


Ortsvorsteher Schmidt beim Storchenfest in Wensickendorf

Vor allem die gute Anbindung an Berlin hält er für einen großen Pluspunkt. „Wer kein Auto hat oder darauf verzichten will, kann immerhin mit der Niederbarnimer Eisenbahn die Hauptstadt erreichen. Wir würden uns natürlich noch mehr freuen, wenn die NEB-Züge bald vielleicht schon bis Gesundbrunnen, dem Bahnkreuz durchfahren würden“ sagt Schmidt.
Das Bahnhofsumfeld wurde vor ein paar Jahren neu gestaltet, hat eine Buswendeschleife sowie Fahrrad- und Pkw-Stellplätze bekommen. Allein das zugenagelte historische Bahnhofsgebäude für das es derzeit weder einen Interessenten noch ein Nutzungskonzept gibt, trübt die Freude zahlreicher Wensickendorfer ein wenig.

Dankbar ist Eberhard Schmidt, dass der Radweg nach Schmachtenhagen seit einigen Jahren Realität ist. Im Sommer nutzen viele Schulkinder diese sichere Verbindung um zur Neddermeyer-Grundschule im Nachbarort zu gelangen. Seit vorigem August, würden einige Wensichendorfer auch nach Schmachtenhagen radeln, um im dortigen Supermarkt einzukaufen.

Mit einem solchen Markt kann Wensickendorf nicht dienen. Immerhin gibt es im Ort noch einen Bäcker, in vielen Dörfern längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Ein Fleischer und inzwischen auch ein Obst- und Gemüsehändler machen mit ihren Verkaufswagen immer freitags am Parkplatz an der Kirche Station und sind recht zufrieden mit der Nachfrage der Wensickendorfer, berichtet der 64-Jährige Schmidt, der seit September Rentner ist.

Auch wenn der rund 1000-Seelen-Ort keine eigene Grundschule mehr hat, so sind die Wensickendorfer mittlerweile stolz auf ihre Kita. Sie wurde vor einigen Jahren komplett saniert und umgebaut, ist seitdem ein Schmuckstück und immer voll ausgelastet, erklärt der Ortsvorsteher, der sich in der dritten Wahlperiode für seine Gemeinde engagiert. Im Jahr 2013 soll auch noch der Hort, der im Vorderhaus des Kita-Gebäudes angesiedelt ist rekonstruiert werden.

Über einen eigenen Raum mit separater Küche verfügt der Seniorenclub, dessen 40 Mitglieder sich dort regelmäßig zu ganz unterschiedlichen Aktivitäten treffen. Im selben Gebäude in dem einst die Kita und die Schulküche untergebracht waren, hat auch der Ortsvorsteher sein Büro, und der Jugendclub mit rund 25 Mädchen und Jungen ist dort ebenfalls zu Hause. Dessen Leiterin Marion Klosa, leiste in Wensickendorf eine derart gute Arbeit, dass der Club mit einem tollen Programm zu einer ganz beliebten Anlaufstelle geworden sei, um die manche Orte die Wensickendorfer sicher beneiden dürften.

Mit mehr als 40 Mitgliedern ist der Feuerwehrverein der größte im Ort. Er sorgt gemeinsam mit anderen für die Organisation der Ortsteilfeste, für die Veranstaltungen zum Tag der deutschen Einheit und für den Frühjahrsputz. Als besonders rührig ruft sich der Kulturverein Wensickendorf/Zehlendorf alle acht Wochen in Erinnerung. Dann lädt er regelmäßig zu Konzerten, Lesungen, Filmvorführungen oder Kabarettveranstaltungen ein, bei denen meistens recht prominente Zeitgenossen Hochkultur auf dem Lande anbieten. Die präsentiert zunehmend auch das Landhotel „Classic“, das sich vor allem einen Namen als regionale Feststätte für Hochzeiten etabliert hat.
Eberhard Schmidt, zweifacher Vater und Großvater, hat indes einen ganz großen Wunsch. „Wir brauchen dringend einen Radweg nach Stolzenhagen und Wandlitz. Dieses Vorhaben verfolgen wir schon viele Jahre, nicht zuletzt, um damit neben der viel befahrenen Bundesstraße 273 endlich einen sicheren Rad- und Fußweg bis zum Bahnhof für jene Wensickendorfer zu schaffen, die in der Siedlung Rahmersee und in der Heideweg-Siedlung wohnen“, unterstreicht der Ortsvorsteher mit Nachdruck.

Wer sich in Wensickendorf ansiedeln will, im Zentraldorf ein Häuschen bauen möchte, muss sich noch ein wenig gedulden. Kommendes Jahr soll ein Bebauungsplan für eine Freifläche gegenüber der Kirche neu aufgelegt werden. Rund ein Dutzend Einfamilienhäuser könnten dort noch entstehen. Viel mehr geht nicht, abgesehen von Lückenschließungen „Aber auch damit können wir in unserem beschaulichen Dorf gut leben“, sagt Schmidt.


Quelle: Oranienburger Generalanzeiger vom 22.11.2011